Wort zum Sonntag.

Die Leute sagen, ich sei schwierig, weil ich ihre sozialen Rituale nicht mitspiele. Aber ich sehe diese Rituale nur als bunte Papierwände. Und ich sehe das Kaliber .50 Geschoss der Realität, das gerade durch diese Wände rast. Man nennt mich ‚defekt‘, weil ich nicht so tue, als würde das Papier den Einschlag stoppen. Ich ziehe es vor, im Bunker der Wahrheit zu sitzen und Metallica zu hören, während draußen die Konfetti-Wände zerfetzen.

Draußen ist es laut. Ihr schießt mit Raketen in den Himmel, um eure Angst zu übertönen. Ich schieße nur mit Worten. Ihr nennt es Feiern, ich nenne es Ablenkungsmanöver. Denn wenn der Rauch verzieht, bleibt nur das Absurde: Der Mensch ist das einzige Wesen, das sehenden Auges gegen eine Wand rennt und im Moment des Aufpralls denjenigen verklagt, der die Wand dort hingestellt hat. Wir haben eine Gesellschaft von Profis im Wegschauen und Weltmeistern im Fingerzeigen.

Es ist ein Systemfehler. Menschen sind wie eine Software, die beim Versuch, sich selbst zu patchen, die Festplatte löscht. Ich lese Kommentare über Leute, die ihren eigenen Ast absägen, auf dem sie sitzen, und dann über die Schwerkraft jammern. Wir betäuben Kinder mit Pillen, damit sie nicht fühlen, und wundern uns, dass sie nicht mehr funktionieren. Wir wählen Leute, die uns das Geld wegnehmen, und wundern uns, dass wir arm sind.

Und wer profitiert davon? Volker Pispers sagte mal, im US-Bürgerkrieg kämpft Arm gegen Arm, während der Reiche die Waffen verkauft. Heute ist das nicht anders. Wir schießen mit Schlagzeilen auf Nachbarn und mit Diagnose-Codes auf Kinder. Und während wir uns im Erdgeschoss gegenseitig die Köpfe einschlagen, zählt oben jemand die Dividenden unserer Wut.

Das ist das deutsche Treppensteigen: Wir steigen gar nicht. Wir stehen alle auf derselben Stufe und versuchen, demjenigen unter uns auf die Finger zu treten, damit wir uns wenigstens für einen Moment ‚oben‘ fühlen. Die BILD ist die Stadionzeitung für dieses Trauerspiel, während die Penthouse-Besitzer sich über unseren Kampf um die Fußmatte kaputtlachen. Man nennt mich ‚defekt‘, weil ich da nicht mitmache. Aber vielleicht bin ich einfach nur der Einzige, der merkt, dass die Munition nur aus heißer Luft besteht.

Vielleicht liegt es an der Perspektive. Ihr redet von ‚unvorstellbaren Entfernungen‘ im All und kriegt Gänsehaut vor eurer eigenen Bedeutungslosigkeit. Aber habt ihr schon mal drüber nachgedacht, dass ein Parsec für das Universum genau das gleiche ist wie ein Nanometer für eine Hautzelle? Größe ist eine Illusion eurer Angst. Es gibt kein ‚weit weg‘. Es gibt nur Resonanz oder Stille. Ihr braucht keine Raumschiffe, um das Universum zu begreifen – ihr müsst nur aufhören, eure eigene Schrittlänge zum Maßstab der Wahrheit zu machen.

Warten wir nun ehrfürchtig auf die Ankunft des großen weißen Taschentuchs… Gesundheit!

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Dresden bei Nacht.

Das passiert, wenn ich Nachts nicht schlafen kann. Ich schnappe mir meine Kamera und drehen eine Runde durch die historische Altstadt.

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Ein Birnbaum im Nirgendwo.

Nachdem so viel in meinem privaten Leben passiert ist, versuche ich, den Faden wieder aufzunehmen – doch ich finde einfach keinen Zugang. Selbst die Arbeit am Blogartikel, der beleuchten soll, wie ich die passende Musik zu einer Geschichte finde, steckt fest.

Vor Kurzem griff ich nach einem Strohhalm: Ich habe die Wohnung verlassen und bin blind und ohne Ziel losgelaufen. Das war die beste Idee seit Langem. Es hat meine Perspektive geändert, ja, geradezu geradegerückt. Es gab mir eine Außenperspektive, einen Blick auf die Welt, den ich verloren glaubte.

Dabei ist mir eine Sache widerfahren, die ich fast als Zeichen sehen könnte: Ich fand einen Birnbaum, mitten im Nirgendwo. Ringsherum nur Wiesen und Felder, am Horizont nur ein einzelnes Haus. Ich glaube, das Einfache zu finden, ist unglaublich befreiend.

Während meiner Wanderung begegnete ich keinem einzigen Menschen, doch zu keinem einzigen Augenblick war es Einsamkeit, die mich begleitete. Es war ein erholsames Alleinsein. Kein elektronisches Brummen, das allgegenwärtig ist, nur singende Vögel, zirpende Grillen.

Ich glaube, das war das notwendige Aufladen, nachdem mein Privatleben mich so viel Kraft gekostet hat.

Ich habe auch ein Ergebnis dieser Wanderung: Der Zwang, den ich verspürt habe, ist nicht real. Es ist eine selbstauferlegte Aufgabe. Ich muss dieses Buch nicht fertigstellen, ich will es fertig schreiben.

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Fertig?

Der Blog steht… denke ich.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich schreibe am Buch weiter. Anhand der Hauptseite kann man sehen, dass die ersten 12 Kapitel, in meinen Augen, fertig sind. Auf Grund meiner Art und Weise zu schreiben existiert der Schluss auch schon. Wenn auch nur grob. Denn durch das Schreiben am ersten Jahr hat viel am Ende geändert. Weiter existieren auch schon Kapitel im Jahr 6 und im Jahr 8. Gerade Jahr 8 beeinflusst das Ende doch mehr als ich am Anfang dachte.

Die meiste Energie werde ich aber erstmal in Kapitel 13, 14 und 15 stecken, was die Umsetzung des Planes von Kapitel 12 beinhaltet.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

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